IM BLICKPUNKT. Tierfänger.
MAIN-KINZIG-KREIS. Eine Schwachstelle der Tierfänger-Theorie ist die Frage, zu welchem Zwecke der massenhafte Diebstahl der Stubentiger erfolgen sollte, sprich: Wo liegt der Profit der Täter, wenn es sie tatsächlich geben sollte. Darüber zerbricht man sich auch beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn die Köpfe, wie die Fachreferentin für Heimtiere, Dr. Heike Pankatz, der FR sagte. Was früher einmal eine Rolle spielte, der Verkauf von Hunden und Katzen für die Versuche in den Labors der Medikamenten- und Kosmetikhersteller, dürfte heute gar nicht mehr möglich sein. Der Gesetzgeber hat nicht nur die Voraussetzungen für solche Versuche verschärft. Es ist vorgeschrieben, daß nur noch eigens dafür gezüchtete Tiere verwendet werden dürfen. Wenn auch für Pankatz denkbar ist, daß sich "Kriminelle über die Gesetze hinwegsetzen", dürfte damit nicht der Katzenklau in großem Stil erklärbar sein. Hingegen gibt es andere, nachvollziehbarere Erklärungen für das Verschwinden vieler der laut Tierschutzbund derzeit 6,3 Millionen Hauskatzen in Deutschland. Zweifellos sterben Tausende den Verkehrstod. Viele landen unbemerkt im Straßengraben. Eine beträchtlichen Anteil an der Dezimierung hat auch die Jägerschaft. Der Tierschutzbund schätzt, daß jährlich rund 300 000 Katzen wegen angeblichen oder tatsächlichen Wilderns abgeschossen werden. Das massenhafte Verschwinden häuslicher Katzen in ruhigen Wohngebieten in größerer Entfernung zu Jagdrevieren und Hauptverkehrsstraßen ist damit aber schwerlich zu erklären. Die Überlegungen der Referentin gehen in eine andere Richtung: "Katzenfelle als Rheumadecken." Das sei ein beträchtlicher Markt und diese Decken seien auch nicht gerade billig. "Wenn man Hersteller fragt, woher sie die Felle haben, erhält man dubiose Antworten." Angeblich würden die Felle aus Asien importiert, was schwer nachvollziehbar sei. Auch die von den Selbsthilfeorganisationen der Katzenbesitzer verbreitete Theorie, die Katzen würden für Versuche ins Ausland gebracht, will die Tierärztin nicht ausschließen. Allerdings: In den meisten Fällen wäre es nach ihrer Meinung "Unsinn, Tiere zu verwenden, über deren Herkunft man nichts weiß". Ein weiterer Erklärungsansatz verweist auf die Kampfhundeszene. "Katzen werden benutzt, um die Hunde scharf zu machen", weiß die Heimtierreferentin. Letztlich bleibt das Verschwinden der Katzen ein Mysterium. Nach Meinung des Tierschutzbundes ist das auch den Behörden anzulasten. Pankatz: "Die Aufklärung scheitert zum Teil auch daran, daß Polizei und Veterinärämter der Sache nicht genügend Bedeutung beimessen."
Um das zu ändern, rufen Tierschützer dazu auf, beim Verdacht des Diebstahls von Katze oder Hund persönlich Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Auf jeden Fall sollten Katzen und Hunde vom Tierarzt mit Tätowierungen oder Mikrochips gekennzeichnet werden. Der Tierschutzbund bietet die kostenlose Registrierung in seinem Haustierregister. Näheres unter Telefon 0228-604960. lex
Frankfurter Rundschau
01.08.1998