Große Aufregung um Altkleider-Tonnen
Katzenbesitzerin fürchtet sich vor Tierfängern / Ortsvorsteher Noll: Eimer müssen sofort weg
Von unserem Redaktionsmitglied Kirsten Strasser
'Meine beiden Katzen dürfen abends nicht mehr raus", sagt Sonja Konrad. Sie hat Angst um ihre Tiere - Angst, dass sie über Nacht spurlos verschwinden. Denn seit Donnerstag stehen vor unzähligen Häusern in Marienborn Plastikeimer, mit denen Altkleider für den Frankfurter Verein 'Club für Behinderte in Brasilien" gesammelt werden sollen. Das Ganze kommt der Katzenbesitzerin sehr dubios vor.'Ich habe mich im Internet informiert", sagt Sonja Konrad. Dort stieß sie auf viele Eintragungen, in denen vor Tierfängern gewarnt wird: Gerade wenn solche Plastikeimer aufgestellt würden, verschwänden auffallend viele Katzen, heißt es da. Sonja Konrad, die befürchtet, auch den Mainzer Katzen könnte Gefahr drohen, reagierte. Mit ihrem Mann verteilte sie Warnplakate, und auch die Tonnen beklebte sie mit Zetteln: 'Um unerkannt zu bleiben, tarnen sich kriminelle Tierfänger mit dem Altkleidersammelgewerbe", schreiben die Konrads.Den 'Club für Behinderte in Brasilien" gibt es allerdings wirklich. Auf AZ-Anfrage bestätigt das Amtsgericht Frankfurt, dass der Verein bei ihm eingetragen ist. Auch der Vorsitzende des Clubs, Michael Lickar, ist zu einer Stellungnahme bereit - er will sich keineswegs in die Nähe krimineller Tierfänger rücken lassen. 'Ich weiß, dass diese Gerüchte im Umlauf sind, aber sie sind falsch", sagt der Frankfurter. 'Ich habe auch versucht, mit den Leuten, die diese Vorwürfe in die Welt setzen, im Guten zu reden - vergeblich. Sie sind zu verbohrt." Lickar betont: 'Wir sammeln keine Katzen, sondern Kleider."Die gesammelten Altkleider werden laut Lickar sortiert. Ein Teil werde nach Brasilien geschickt oder verkauft; mit dem Erlös würden dann Mitarbeiter des Clubs - zum Beispiel Fahrer - bezahlt oder Projekte in Brasilien finanziert. Warum die Plastiktonnen seit fast einer Woche in Marienborn stehen, kann Lickar auf Anhieb nicht sagen. 'Normalerweise werden sie nach einem Tag abgeholt, wahrscheinlich sind sie von einem Fahrer vergessen worden; das kommt vor." Nachfragen bei der Mainzer Polizei haben ergeben: Der Club hat sich nicht der illegalen Tierfängerei verdächtig gemacht. Und auch der örtliche Tierschutzverein meldet keinen erhöhten Katzenschwund, betont dessen Vorsitzende Christine Plank. Dennoch müssen die Tonnen weg, fordert Ortsvorsteher Bernd Noll: Er ärgere sich 'seit Tagen" über die Eimer. 'Wenn die morgen nicht weg sind", droht er, 'setze ich mich mit dem Ordnungsamt in Verbindung und sorge dafür, dass die Tonnen weggeschafft werden - auf Kosten des Aufstellers."
Allgemeine Zeitung
06.08.2003
Tierschützer warnen: Passt gut auf die Katzen auf
Aus drei Hunsrückdörfern sind in den vergangenen Wochen mindestens 15 Tiere verschwunden - Mastershausen betroffen - Suchaktionen bisher erfolglos - Polizei ist ratlos Katzenbesitzer aus dem Hunsrück sollten ein besonderes Auge auf ihre Vierbeiner werfen. Gerade aus den kleinen Dörfern sind in den vergangenen Wochen zahlreiche Katzen verschwunden. Fast immer waren tätowierte und kastrierte Tiere mit Halsband betroffen, bei denen schon äußerlich zu erkennen war, dass es sich keinesfalls um Streuner handelte. HUNSRÜCK. Reidenhausen, Mastershausen, Sosberg - das sind die Orte, aus denen viele Katzen verschwanden. Besonders betroffen ist Reidenhausen. Hier werden immerhin zehn Tiere vermisst. Die Familie Wellems beklagt den Verlust von drei ganz zahmen "Stubentigern", die sich beim Spaziergang wie Hunde gerne ihren Herrchen anschlossen. "Wir haben Plakate im Ort und in Blankenrath aufgehängt und sogar einen Finderlohn von 50 Euro je Katze ausgesetzt", berichten die Wellems. Ohne Erfolg. Es gab nicht die geringsten Hinweise. Auch Nachfragen beim Tierarzt, beim Tierschutzbund und in Tierheimen blieben ergebnislos, die Kinder trauern weiter um ihre Spielgefährten. Die Eltern mögen sich kaum vorstellen, was mit ihren Lieblingen passiert ist, sind sich aber sicher: "Hier waren Tierfänger unterwegs. Eine andere Erklärung gibt es nicht." Damit die noch verbleibenden zwei Hauskatzen nicht ein ähnliches Schicksal erleiden, dürfen sie nachts jetzt nicht mehr raus. Denn: "Die Tiere verschwanden immer in der Nacht von Sonntag auf Montag." Auch bei den Hannemanns aus Reidenhausen herrscht Trauerstimmung. An zwei aufeinander folgenden Tagen fehlte von Tommy und Tänzerin jede Spur. Drei Tage später wurde in der Nachbarschaft Maxi vermisst. "Es ist so still geworden im Dorf. Kein Tier kommt mehr", haben die Hannemanns festgestellt. Auch sie denken an Tierfänger, an Rheumafelle und gefütterte Jacken und fragen: "Wer kauft denn so etwas?" Eleonore Geiß, deren Mann seit 25 Jahren in Kastellaun eine Tierarztpraxis betreibt, hält noch den Verkauf von Katzen an Labors für möglich. Weil ihr berichtet wurde, dass in den Labors keine tätowierten Tiere sitzen dürfen, werden in der Praxis inzwischen alle Tiere an beiden Ohren tätowiert. Aber die kamen ebenso abhanden wie solche mit Chipmarke. "Das gibt es immer wieder, dass in bestimmten Regionen Katzen verschwinden", so Eleonore Geiß. Zurzeit sei es aber besonders auffallend. So werden auch in Mastershausen vier oder fünf Tiere vermisst, in Sosberg zwei. "Hier waren sicher Tierfänger am Werk", meint die Arztfrau und warnt: "Leute, passt auf eure Katzen auf!" Bei den Polizeidienststellen in Cochem, Zell und Simmern ist von verschwundenen Katzen nichts bekannt. Würde Anzeige erstattet, handelte es sich um Diebstahl. Dagegen weiß die Tierhilfe Rhein-Hunsrück von den Vorfällen. "Besonders in Mastershausen kommen ständig Katzen weg", meint eine Mitarbeiterin. Sie berichtet von Lebensfallen, die auf Privatgrundstücken gegen Marder aufgestellt werden, die aber nur mit Genehmigung der unteren Jagdbehörde erlaubt sind, und aus denen Katzen freigelassen werden müssen. Die Vorsitzende der Tierhilfe, Käthe Otten, hält es für möglich, dass Leute, die sich an im Beet scharrenden Tieren aus der Nachbarschaft stören, diese vielleicht einfangen, um sie dann woanders laufen zu lassen oder ganz zu "entsorgen". Sie kann sich aber auch professionelle Tierfänger vorstellen, die Katzen mit bestimmten Duftstoffen anlocken und mitnehmen. Deshalb mahnt sie zur besonderen Aufmerksamkeit. Der beste Schutz sei, die Vierbeiner in der Nacht im Haus zu lassen.(kos)
RZ - Online
13.06.2003
Wieder grassiert Angst vor den Katzenfängern
Polizei beruhigt: Kleidersammler sind echt
Tierschützer und besorgte Katzenbesitzer laufen momentan wieder Sturm. Sie haben Angst, dass ihre Stubentiger entführt werden.
VON ANKE MORTSIEFER
Engelskirchen - Die Mitarbeiter von Firmen, die im Auftrag von Hilfsorganisationen Altkleider und Schuhe sammeln, werden verdächtigt, die geliebten Vierbeiner mitgehen zu lassen. Zurzeit läuft eine Sammlung in Engelskirchen, in der vorigen Woche waren die mutmaßlichen "Tierfänger" im Raum Wipperfürth unterwegs. "Der Katzenklau in Oberberg" ist laut Polizei ein Gerücht, das sich beharrlich hält und im Rhythmus der Jahreszeiten immer wieder auflodert. Auslöser ist dabei immer das gleiche Szenario: Morgens klappert ein Lieferwagen die Wohnbereiche ab, Männer postieren merkwürdige gelöcherte Plastik-Behältnisse. In den Briefkästen finden die Anwohner Flugblätter mit der Bitte um Altkleider oder Schuhe. Die gelöcherten Eimer regen offenbar die Phantasie der Bürger an. "In Erinnerung an die Maikäferkiste liegt der Gedanke auf der Hand, dass die Behälter zum Transport von Tieren gedacht sind", erklärte Polizeisprecher Henning Setzer. Die Bürger befürchteten, dass ihre Katzen und Hunde in der Kosmetikindustrie gequält oder für medizinische Forschungsversuche missbraucht werden. In der vorigen Woche wurden die Altkleidersammler in Wipperfürth überprüft, und siehe da, sie waren seriös. Plausibel auch die Erklärung für die verdächtigen Plastikeimer: Sie sind gelöchert, damit sie nicht als Putzeimer behalten werden. Die Polizei habe sich bei einem Veterinärmediziner herausgefunden, dass Katzen häufig verschwinden, weil sie sich niemals vollständig domestizieren lassen. Wissenschaftliche Versuche an solchen Tieren seien nahezu undenkbar, da Kenntnisse über Alter, Gesundheitszustand und Impfungen Grundlagen einer jeden Forschung seien. "Katzenfelle sind nur von geringem Wert und überhaupt ist das Fell nur im Winter wenige Wochen lang zum Gerben geeignet", erklärte Setzer. Bleibt nur noch die Vermutung einer Engelskirchenerin: "Vielleicht verkaufen die die Katzen als Kaninchen zum Braten." Einer solchen Vermutung ist die Polizei jedoch noch nicht nachgegangen.
Kölner Stadtanzeiger
15.04.2003
Konkurrenzkampf um Altkleider
Gemeinnützige Organisationen und Privatfirmen graben sich das Wasser ab
Von Martin Tochtrop
Für die meisten Menschen sind sie nur lästig. Alte Plünnen, die entsorgt werden müssen. Doch weil man mit Altkleidern auch gute Geschäfte betreiben kann, sind sie bei Händlern und gemeinnützigen Organisationen heiß begehrt. Dabei kommt es schon mal vor, dass der eine dem anderen das Wasser abgräbt.Wem soll man nun Recht geben? Dem Bürgermeister und seinem Stellvertreter, die über das Rote Kreuz und die Arbeiterwohlfahrt Altkleider für den guten Zweck sammeln lassen? Oder dem türkischen und dem polnischen Geschäftsmann - zwei Oer-Erkenschwicker Betriebe an der Werkstraße, die gewerblich Altkleider sammeln und argumentieren, damit Arbeitsplätze zu schaffen? "Ich habe acht Angestellte, vier davon mit festem Arbeitsvertrag", argumentiert der Türke, der seinen Namen nicht in der Zeitung genannt haben möchte. "Man muss sich einmal vorstellen, was ich an Sozialabgaben und Steuern bezahle. Ich verstehe einfach nicht, warum die Gemeinnützigen da als Konkurrenz auftreten", sagt der Geschäftsmann. Um Ärger aus dem Weg zu gehen, sammelt er nur selten in Oer-Erkenschwick. Und Stress gab's schon reichlich. So ist ihm vorgeworfen worden, er habe den Gemeinnützigen die Ware vor deren Sammlung einfach vor der Nase weggeschnappt. Dafür musste er am Ende eines Gerichtsverfahrens 350 Euro Strafe bezahlen, beteuert aber standfest seine Unschuld. Vielmehr sei er auf einen Komplott gegen ihn hereingefallen. Das sieht Bürgermeister Clemens Peick als DRK-Vorsitzender ganz anders: "Sogar unsere Sanmelbehälter sind schon geklaut worden. Die werden dann wahrscheinlich umgespritzt und wieder aufgestellt", beschwert er sich. Auch der stellvertretende Bürgermeister Herbert Lowens ist als Awo-Vorsitzender sauer auf die Privaten: "Die stellen einfach ihre Sammelbehälter vor die Haustüren. Manchmal werden die gar nicht wieder abgeholt. Das sieht nicht schön aus." Das Diakonische Werk im Ostvest führt ebenfalls Kleidersammlungen in Oer-Erkenschwick durch. Wie die Arbeiterwohlfahrt auch, betreibt die Diakonie ein Kaufhaus für Gebrauchtes, und zwar am Südring in Datteln. "Hier können Menschen Sachen günstig kaufen, die nicht so viel Geld haben", erklärt der Betriebsleiter der Diakonie-Umweltwerkstatt, Theo Schlierkamp.Auch er hat mit den Privaten schlechte Erfahrungen gemacht: "Die sind manchmal schneller als wir da. Dann hagelt es Anzeigen aus der Bevölkerung." Die Diakonie investiert die erwirtschafteten Gewinne aus dem Second-Hand-verkauf in Arbeitsplätze. Langzeitarbeitslose werden über das Programm "Arbeit statt Sozialhilfe" wieder für den normalen Arbeitsmarkt fit gemacht. Und schließlich sind die Stellen der Betreuer innerhalb des Diakonischen Werkes auch Arbeitsplätze. Diakonie und Awo sehen zu, dass ihre gesammelten Kleider nicht ins Ausland gehen. Ganz im Gegenteil zum privaten Unternehmer, der seine Utensilien in Polen, Rumänien und weiteren Staaten Osteuropas an den Mann oder die Frau bringt. Das findet Schlierkamp gar nicht gut: "Das hilft diesen Ländern letztendlich nicht. Dadurch werden die Märtkte kaputt gemacht, es kann sich keine eigene Textilindustrie entwickeln. Auch in Rumänien ist es wichtig, dass dort eine Marktwirtschaft entstehen kann, damit es aus der Abhängigkeit gerät." Der Oer-Erkenschwicker Privatsammler meint allerdings: "Die Altkleider sind keine wirkliche Konkurrenz für die armen Länder, wenn sie dort eine eigene, hochwertige Textilindustrie aufbauen." Der Geschäftsmann macht darauf aufmerksam, dass er über sein Gewerbe hinaus Gutes tut. Er führt monatlich 500 bis 1000 Euro an die gemeinnützige Organisation "Belo Horizonte" in Krefeld ab, in deren Autrag er dann sammeln darf - sozusagen als "gemeinnütziger Privater". Gisela Brämer, Kassiererin des 60-köpfigen Vereins, sagt: "Wir unterstützen mit dem Geld caritative Zwecke in Brasilien." Dass mit ihrer Unterstützung die Gemeinnützigen untergraben werden, weil der größte Teil des Gewinns in privater Hand bleibt, findet sie nicht; "Wir treten nicht als Konkurrenz, sondern gleichberechtigt auf", meint sie.
WAZ
02.01.2003